Abschätzverfahren (grob, Strassenlärm)

Um das Abschätzverfahren durchzuführen, müssen folgende Unterlagen vorhanden sein (diese Unterlagen dienen auch der Beurteilung der Resultate anhand von Grenzwerten und der Bestimmung der massgebenden Berechnungspunkte):

Im folgenden wird ein Verfahren für eine sehr akzeptable Eingrenzung des Untersuchungsperimeters (für Strassenlärm) vorgestellt; es umfasst vier Bearbeitungsschritte. Die einzelnen Schritte werden je nach den örtlichen Gegebenheiten und den Erfahrungen des Bearbeiters vollzogen.

1. Schritt: Emissionswert
2. Schritt: Abstandsdämpfung
3. Schritt: Mitberücksichtigung einer Aspektwinkelreduktion
4. Schritt: Abschätzung von weiteren Zusatzeinflüssen


1. Schritt: Emissionswert (Leq,e)

Die Emissionswerte Leq,e entnehmen Sie in der Regel einem Kataster. Fehlen diese Grundlagen, können Sie die folgende Abschätzung vornehmen (N = Fahrzeugmenge pro Stunde):

Geschwindigkeit [km/h] Emissionswert bei einem N2-Anteil von 10% [dBA]
50 50 + 10 log(N)
80 53 + 10 log(N)
120 56 + 10 log(N)

  Anmerkungen:
  • Bei abweichenden N2-Anteilen wird pro 5% Zunahme eine Korrektur von +1 dBA angenommen.
  • Die Belagskorrektur KB muss zusätzlich berücksichtigt werden.
  • Bei Strassen mit einer signifikanten Steigung muss eine Steigungskorrektur berücksichtigt werden.


2. Schritt: Auswirkung des Abstands (ΔS)

Die Auswirkung des Abstands in der (orthogonalen) Distanz s wird nach der Verdoppelungs-Gesetzmässigkeit für Linienquellen (0 bei 1m Abstand und +3dBA pro Distanzverdoppelung) ermittelt:

ΔS = -10*log(s).


3. Schritt: Mitberücksichtigung der Aspektwinkel (Δϕ)

Der Winkel, unter dem die Strasse sichtbar ist, wird Aspetwinkel genannt (mit φ bezeichnet); siehe folgende Abbildung.

Je kleiner der Aspektwinkel ist, desto niedriger ist der Pegel am Empfänger. Die Korrektur Δϕ für den Aspektwinkel kann wie folgt abgeschätzt werden:

Winkel φ Korrektur Δϕ [dBA]
180° 0
90° -3
45° -6
23° -9
11° -12


4. Schritt: Abschätzung von weiteren Zusatzeinflüssen

Im vierten Arbeitsschritt werden zusätzlichen Effekte wie Hindernisse, Wald, Bebauung und Reflexionen im massgebenden Aspektwinkel berücksichtigt. Diese Abschätzungen bedingten einige Erfahrung in der Lärmberechnung.

(a) Hindernisse (ΔH)

wobei:

(b) Wald (ΔW)

wobei: ΔW ≈ -5dBA pro 100m Wald

(c) Bebauung zwischen Strasse und Empfänger (ΔB)

wobei falls:

(d) Reflexionen (ΔR)

Reflexionen können mit der "Spiegelquellenmethode" abgeschätzt werden.


Resultat [dBA]:

Immission L = Leq,e + ΔS + Δϕ + ΔH + ΔW + ΔB + ΔR

  Anmerkung: Geübte Anwender erreichen mit dieser Methode eine Abschätzgenauigkeit von <~5 dBA.