Beispiel D: Schallleistungspegel bekannt, vor Ort gemessene Direktivität
[ab SLIP 08 Vollversion] Die Eingabe eines Schallleistungspegels mit gemessener Direktivität sind in Fällen anzuwenden, bei denen eine bestimmte Maschine verschiedene Betriebszustände mit unterschiedlicher Schallleistung aufweist, die Direktivität jedoch konstant bleibt. So muss für neue Berechnungen jeweils nur der Schallleistungspegel dem jeweiligen Zustand angepasst werden. Falls bei einer Maschine nur ein Betriebszustand interessiert, siehe Beispiel C.
Maschine an einer Gebäudefassade
Situation:
Die Schallleistung einer Maschine beträgt im gemessenen Zustand 88.1 dBA (Angabe Hersteller). Die Maschine befindet sich an der senkrechten Gebäudemauer auf ca. 10 m Höhe. Mit Messungen vor Ort wird die Direktivität bestimmt. Dazu wird der gerichtete Schalldruckpegel in 4 m Abstand rund um die Maschine gemessen.
- Auf der Hauptachse der Lärmquelle (senkrecht zur Wand) wurden 78 dBA ermittelt.
- Bei 45° liegt die Lärmbelastung bei 68 dBA.
- Bei 90° liegt sie bei 58 dBA.
- Es wird angenommen, dass von 90° bis ca. 93° der Lärmpegel konstant bei 58 dBA bleibt.
- Unter der Annahme, dass die gesamte Schallleistung praktisch nur in den Halbraum in Richtung der Hauptachse abgestrahlt wird, wurde ab 94° 0 dBA angenommen.
Die Messwerte wurden nicht durch Bodenreflexionen beeinflusst.
Eingabe:
Eingabeoptionen: | Allgemeine Quelle | | A-bewerteter Einzelwert [dBA] | | Lw - Schallleistungspegel | | mit Direktivität - Autonormalisiert (Totale Schallleistung unverändert) |
Direktivität: | Winkel | L | | 0 | 78 | | 45 | 68 | | 90 | 58 | | 93 | 58 | | 94 | 0 |
| ☐ | Bei der Berechnung nahe, vertikale Reflektoren ignorieren bis [m]: | | | 1.0 |
Emissionen: |
| ❑ | Bemerkungen: - Da die Option mit Direktivität - Autonormalisiert ( Totale Schallleistung unverändert) gewählt wurde, welche die totale Schallleistung nicht beinflusst, ist es möglich, die Messwerte unverändert als Direktivität einzugeben.
- Mögliche Gründe für die Annahme "Halbraum": (1) weil es der eigenen Direktivität der Maschine entspricht, oder (2) wegen Wandreflexionen. Im letzen Fall sind sämtliche Reflexionen an der Aussenwand in den Messwerten enthalten und werden im Modell durch die eingegebene Direktivität modelliert.
- Mit der Annahme des Lärmpegels bei 93° wird die Berechnug mit Diffraktionen an der Oberkante und den Seitenkanten der Wand ermöglicht.
- Falls der Boden schallhart ist, können bei der Messung Bodenreflexionen eine Rolle spielen. Falls dies zutrifft, empfiehlt sich (1) von den gemessenen Schalldruckpegel die Bodenreflexionen abzuziehen und (2) im Modell einen schallharten Bodentyp zu spezifizieren (siehe Bodentyp).
- Für die Eingabe von Industriequellen, Terz- und Oktavbandspektren oder zusätzlicher Korrekturfaktoren siehe Beispiel A.
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Maschine in der Nähe eines Gebäudes
Situation:
Die Schallleistung einer Maschine beträgt im gemessenen Zustand 85.1 dBA (Angabe Hersteller). Die Maschine befindet sich ca. 1 m vor dem Gebäude. Mit Messungen vor Ort wird die Direktivität bestimmt. Dazu wird der gerichtete Schalldruckpegel in 10 m Abstand rund um die Maschine gemessen:
- Auf der Hauptachse der Lärmquelle (senkrecht gegen oben, parallel zur Wand) wurden 60.2 dBA ermittelt.
- Bei 45° liegt die Lärmbelastung bei 59.5 dBA und
- bei 90° liegt sie bei 57.5 dBA.
- Ab 95° werden nur noch 43.7 dBA gemessen.
Eingabe:
Eingabeoptionen: | Allgemeine Quelle | | A-bewerteter Einzelwert [dBA] | | Lw - Schallleistungspegel | | mit Direktivität - Autonormalisiert (Totale Schallleistung unverändert) |
Direktivität: | Winkel | L | | 0 | 60.2 | | 45 | 59.5 | | 90 | 57.5 | | 95 | 43.7 |
| ☐ | Bei der Berechnung nahe, vertikale Reflektoren ignorieren bis [m]: | | | 1.0 |
Emissionen: |
| ❑ | Bemerkungen: - Die Aussenwand des Gebäudes muss als Reflektor eingegeben werden.
- In diesem Beispiel gilt es zu beachten, dass die Hauptachse der Lärmquelle paralell zur Wand verläuft. Wäre dies nicht der Fall, würde die Direktivität durch die Reflexionen an der Wand "deformiert" (d.h. die Direktivität mit Reflexionen und die eigene Direktivität der Quelle wären unterschiedlich).
- Die Distanz der Messung zur Maschine muss dabei mindestens 10 Mal grösser sein, als die Distanz zwischen Gebäude und Maschine. Von dieser Messdistanz betrachtet, sind die Quelle und ihre Spiegelquelle sehr nahe zusammen. Da zusätzlich die Direktivität des Quellenpaares (reale und Spiegelquelle) und deren Hauptachsen indentisch sind, ist die gemessene Direktivität (jene des Quellenpaares) auch gültig für die reale Quelle.
- Wird in einer kleineren Distanz gemessen, muss der Anteil des reflektierten Schalls am Gesamtschall energetisch abgezogen werden. Die gemessenen Schalldruckpegel ohne Reflexionen können anschliessend in die Emissionstabelle eingegeben werden.
- Für die Eingabe von Industriequellen, Terz- und Oktavbandspektren oder zusätzlicher Korrekturfaktoren siehe Beispiel A.
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